Gewichtszunahme durch Antipsychotika – was hilft wirklich?

Viele Menschen, die Antipsychotika einnehmen, nehmen im Verlauf der Behandlung deutlich an Gewicht zu. Das ist nicht nur belastend, sondern kann auch die Gesundheit beeinflussen. 

Warum nehmen viele Menschen unter Antipsychotika zu?

Antipsychotika wirken im Gehirn auf verschiedene Botenstoffe, die unter anderem Hunger, Appetit, Schlaf und Stoffwechsel steuern. Dabei kann es zu:

  • mehr Hunger
  • Heißhungerattacken
  • weniger Energieverbrauch
  • Müdigkeit und weniger Bewegung


kommen.

Gleichzeitig haben viele Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen schon vor Beginn der Behandlung ein höheres Risiko für Übergewicht – etwa durch Stress, unregelmäßige Mahlzeiten, wenig Bewegung oder soziale Belastungen.


Wann spricht man von Übergewicht oder Adipositas

Früher wurde fast nur der BMI benutzt. Heute unterscheidet man anders:

1. Präklinische Adipositas

  • Man hat mehr Körpergewicht, aber noch keine Schäden an Organen.
  • Das Risiko für Diabetes oder Herzprobleme ist aber erhöht.


2. Klinische Adipositas

Mehr Körperfett und:

  • Probleme beim Atmen oder Bewegen
  • Zuckerstoffwechselstörungen
  • Gelenk- oder Herzprobleme
  • Einschränkungen im Alltag


Diese moderne Einteilung hilft besser einzuschätzen, wer wirklich gesundheitlich gefährdet ist und wer nicht.

Was kann man gegen die Gewichtszunahme tun? – Der 7-Stufen-Plan

1. Regelmäßiges Wiegen

Mindestens einmal pro Woche, immer unter den gleichen Bedingungen.

Eine Zunahme von 7 % des Körpergewichts ist ein Warnzeichen.


2. Aufklärung und Unterstützung

Gespräche mit Ärzt:innen und Therapeut:innen über Ernährung, Bewegung und Risiken.


3. Essgewohnheiten anpassen

  • kleinere Portionen
  • feste Essenszeiten
  • weniger zuckerreiche Getränke
  • Mahlzeiten planen


4. Bewegung fördern

  • Schon 30 Minuten täglich leichte Bewegung wirken:
  • Spazierengehen, Hausarbeit, kleine Übungen, Radfahren.


5. Psychologische Unterstützung

Programme, die Ess- und Bewegungsverhalten trainieren, helfen nachweislich.


Zum Beispiel:

  • Selbstbeobachtung (Was esse ich? Wie aktiv bin ich?)
  • Umgang mit Heißhunger
  • Planung von Mahlzeiten
  • Stressbewältigung
  • realistische Zielsetzung


6. Wechsel oder Reduktion des Antipsychotikums

Einige Antipsychotika machen sehr viel Gewichtszunahme, andere kaum.


Falls möglich, kann man:

  • die Dosis senken
  • auf ein “gewichtneutraleres” Medikament wechseln

Dies muss aber immer sorgfältig abgewogen werden, damit die psychische Stabilität erhalten bleibt.


Welche Antipsychotika machen wie viel Gewichtszunahme?


Sehr hohes Risiko

  • Clozapin
  • Olanzapin


Hohes Risiko

  • Risperidon
  • Paliperidon
  • Quetiapin
  • Asenapin


Mittleres Risiko

  • Amisulprid
  • Brexpiprazol
  • Fluphenazin
  • Cariprazin


Geringes Risiko

  • Haloperidol
  • Aripiprazol
  • Ziprasidon
  • Lurasidon


Was können Betroffene selbst tun?

  • Regelmäßige Mahlzeiten
  • Viel Wasser trinken
  • Gemüse, Obst und ballaststoffreiche Lebensmittel bevorzugen
  • Snack-Fallen erkennen (z. B. abends vor dem Fernseher)
  • Kleine Bewegungsschritte im Alltag einbauen
  • Fortschritte notieren
  • Schon kleine Veränderungen können große Wirkung haben.
  • Wichtigster Punkt: Niemand ist allein damit