#21: Diagnostik der Autismus-Spektrum-Störung nach S3-Leitlinien – Qualität muss nicht mehr als 300 Euro kosten
Die Diagnostik der Autismus-Spektrum-Störung (ASS) im Erwachsenenalter stellt hohe Anforderungen an fachliche Kompetenz, interdisziplinäre Zusammenarbeit und eine sorgfältige Anamnese. Die S3-Leitlinien formulieren hierfür klare Standards, die eine qualitativ hochwertige Diagnosestellung sichern sollen. Entgegen häufiger Annahmen zeigt sich jedoch, dass eine leitliniengerechte Diagnostik nicht zwangsläufig mit hohen Kosten verbunden sein muss. Unter bestimmten Voraussetzungen kann sie auch im Rahmen von etwa 300 Euro umgesetzt werden.
Zentraler Bestandteil der S3-Leitlinien ist die Forderung, dass die umfassende Diagnostik bei Verdacht auf ASS in einer spezialisierten Stelle durchgeführt wird. Diese Voraussetzung kann erfüllt sein, wenn die Einrichtung über entsprechende klinische Erfahrung verfügt und die Diagnostik strukturiert sowie leitlinienorientiert erfolgt. Besonders im Erwachsenenbereich müssen dort spezifische Kompetenzen vorhanden sein: Dazu zählen fundierte Fähigkeiten in der klinischen Diagnosestellung sowie ausgeprägte differentialdiagnostische Kenntnisse, um psychiatrische, psychische und somatische Komorbiditäten sicher abzugrenzen. Ebenso wichtig ist die testpsychologische Untersuchung kognitiver Leistungsfähigkeiten sowie die Fähigkeit, Betroffene professionell zu therapeutischen, beruflichen und sozialen Fragestellungen zu beraten und dabei Konzepte wie die ICF anzuwenden.
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Eine zuverlässige Diagnostik der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) erfordert Zeit, strukturiertes Vorgehen und fachliche Expertise – aber sie muss nicht 900 Euro kosten. Entscheidend ist die Qualität der Untersuchung, nicht ihr Preis.
Diagnostische Grundlagen: Orientierung an ICD-10/ICD-11
Eine korrekte ADHS-Diagnose basiert auf den Kriterien des ICD. Die Kernsymptome sind:
- Unaufmerksamkeit
- Hyperaktivität
- Impulsivität
Sie müssen seit der Kindheit bestehen, in mehr als einem Lebensbereich auftreten und zu einer klinisch bedeutsamen Beeinträchtigung führen.
Daraus ergibt sich ein zentraler Punkt: ADHS beginnt immer in der Kindheit. Erwachsene können die Störung nicht neu entwickeln – deshalb muss jede Erwachsenendiagnostik die Kindheit einbeziehen.
Fluoxetin(SSRI): wie ansetzen und absetzen
Wie Ansetzen: mit 10 mg morgens starten, jede Woche um 10 mg steigern bis auf 40 mg (empfohlene Dosis). EKG-Kontrolle bei jeder Dosisänderung anordnen (auf QT-Zeit achten)
Wie Absetzen, zum Beispiel 40 mg. Erste Reduktion gleich auf 20 mg. Nach 2 Wochen auf 10 mg. Nach 2 Wochen das Medikament nur alle 2 Tage einnehmen. Nach 2 Wochen absetzen.
(Das Ausschleichen und Absetzen von Psychopharmaka, die länger als 12 Wochen eingenommen wurden, sollte über einen noch längeren Zeitraum, in der Regel nicht weniger als 8 Wochen, erfolgen, um Entzugserscheinungen zu vermeiden, die ein Wiederauftreten der Krankheit vortäuschen könnten.)
Pro: Gutes Antidepressivum.
Kontra: QT-Zeit-Verlängerung möglich; nicht kombinierbar mit anderen Medikamenten, die eine QT-Zeit-Verlängerung verursachen; nicht kombinierbar mit anderen Antidepressiva (außer Mirtazapin); Risiko Interaktionen mit bestimmten Medikamenten; kann sexuelle Störungen, auch irreversibel, auslösen.
Indikationen und Kontraindikationen: siehe
"Psychische Störungen Therapie F0-F9"
Nebenwirkungen und Wechselwirkungen: siehe
"Neben- und Wechselwirkungen Psychopharmaka"
Literatur/Quellen:
Benkert, O., & Hippius, H. (2019). Kompendium der Psychiatrischen Pharmakotherapie. 11. Auflage. Springer.
Stahl, S. M. (2021). Stahl’s Essential Psychopharmacology: Neuroscientific Basis and Practical Applications. Cambridge University Press.
Hiemke, C., & Gründer, G. (Hrsg.) (2020). Lehrbuch der Psychopharmakologie. Springer.
Möller, H.-J., & Laux, G. (2018). Psychopharmaka: Pharmakologie und klinische Anwendung psychotroper Arzneimittel. Elsevier.
Neukirch, C., & Müller, M. J. (2019). Psychopharmakotherapie: Grundlagen – Klinik – Praxis. Schattauer.
Sadock, B. J., Sadock, V. A., & Ruiz, P. (2022). Kaplan & Sadock’s Comprehensive Textbook of Psychiatry. Wolters Kluwer.
Weitere Medikamente finden Sie hier.
Entscheidungshilfen Therapie
Diese Entscheidung kann schwer fallen, muss aber nicht: stellen Sie sich einfach vor, ob Sie über sexuelle Probleme oder Gewalterfahrungen oder Wünsche in der Partnerschaft lieber mit einer Psychotherapeutin oder einem Psychotherapeuten sprechen möchten. Hilft das ein bisschen?
Das Geschlecht des Psychotherapeuten kann für die Passung und die Beziehung sehr entscheidend sein. Es ist in unserer Gesellschaft immer noch so, dass Frauen und Männer unterschiedliche Rollen, Anforderungen, Verhaltensweisen usw. haben.
Weitere Entscheidungshilfen finden Sie hier.
Verträglichkeit Psychopharmaka:
Risikoeinschätzung bei Übergewicht und Diabetes
ANTIDEMENTIVA: Gering: Memantin, Rivastigmin, Donepezil, Galantamin,
ANTIDEPRESSIVA: Gering: Agomelatin, Bupropion, Duloxetin, Johanniskraut, MAOH, SSRI, Trazodon, Venlafaxin; Mäßig: Mirtazapin, Trizyklika (TZA)
ANTIPSYCHOTIKA: Gering: Amisulprid, Aripiprazol, Melperon, Pipamperon, Haloperidol, Sulpirid, Ziprasidon; Mäßig: Phenotiazine, Quetiapin, Risperidon; Erhöht: Olanzapin, Clozapin.
Weitere Risikoeinschätzungen finden Sie hier.
Viele Menschen, die Antipsychotika einnehmen, nehmen im Verlauf der Behandlung deutlich an Gewicht zu. Das ist nicht nur belastend, sondern kann auch die Gesundheit beeinflussen.
Warum nehmen viele Menschen unter Antipsychotika zu?
Antipsychotika wirken im Gehirn auf verschiedene Botenstoffe, die unter anderem Hunger, Appetit, Schlaf und Stoffwechsel steuern. Dabei kann es zu:
- mehr Hunger
- Heißhungerattacken
- weniger Energieverbrauch
- Müdigkeit und weniger Bewegung
kommen.
Gleichzeitig haben viele Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen schon vor Beginn der Behandlung ein höheres Risiko für Übergewicht – etwa durch Stress, unregelmäßige Mahlzeiten, wenig Bewegung oder soziale Belastungen.
Wann spricht man von Übergewicht oder Adipositas
Früher wurde fast nur der BMI benutzt. Heute unterscheidet man anders:
1. Präklinische Adipositas
- Man hat mehr Körpergewicht, aber noch keine Schäden an Organen.
- Das Risiko für Diabetes oder Herzprobleme ist aber erhöht.
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Psychotherapie oder Medikamente?
Die Verschreibung von Psychopharmaka (für Benzodiazepine und Hypnotika gibt es spezielle Regelungen, siehe weiter unten) sollte nur bei schweren Episoden psychischer Störungen nach den in der ICD-10 bzw. im DSM-V beschriebenen Kriterien in Betracht gezogen werden. Mehrere Studien haben zum Beispiel gezeigt, dass Antidepressiva bei leichten und mittelgradigen Depressionen nicht wirksam sind. Sogar bei schweren Depressionen besteht der Verdacht, dass die (sowieso geringe) nachgewiesene Wirksamkeit von Antidepressiva nicht an dem Wirkstoff liegt sondern an Placebo-Wirkung, natürlichem Verlauf der Störung, usw. Das bedeutet, eine psychische Störung ist grundsätzlich immer psychotherapeutisch zu behandeln (von Anfang an oder nach Besserung einer schweren Episode)... (hier weiterlesen)
- Benötigt das aktuelle Krankheitsbild eine Medikation? Wurde eine Psychotherapie schon angestrebt? Sind die Vorteile mehr als die Nachteile? Gibt es nicht gesundere Alternativen (Skills, Entspannungsverfahren, Sport, usw.)?
- Ist die Patientin/der Patient über eventuelle Nebenwirkungen aufgeklärt worden?
- Gibt es Kontraindikationen für das neue Präparat (zum Beispiel bei Patienten mit Niereninsuffizienz ist kontraindiziert Pharmaka anzuordnen, die die Nieren belasten)?
- Sind Blutuntersuchung (Blutbild, Nieren, Leber, Schilddrüse usw.) und EKG (QT-Zeit, Herzrhythmusstörungen, usw.) erfolgt?
- (hier weiterlesen)
-5,9% aller stationär behandelten Patienten erleiden eine schwerwiegende UAW
-30% davon sind vermeidbar
-4,8% der Krankenhausaufnahmen beruhen auf UAW
-Ältere Patienten häufiger betroffen
-106.000 Arzneimitteltote pro Jahr in den USA
-Ursachen: unzureichende Dosisanpassung im Alter, bei Nieren-/Leberinsuffizienz
(hier weiterlesen)
Unter dem Begriff „Psychose“ fasst man eine Reihe (in vielen Fällen vorübergehender) psychischer Störungen zusammen, bei denen die Betroffenen den Kontakt zu der Realität verlieren, d.h. die Realität wird verändert wahrgenommen oder verarbeitet... (hier weiterlesen)