ADHS-Diagnostik
Eine zuverlässige Diagnostik der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) erfordert Zeit, strukturiertes Vorgehen und fachliche Expertise – aber sie muss nicht 900 Euro kosten. Entscheidend ist die Qualität der Untersuchung, nicht ihr Preis. Viele Kliniken und spezialisierte Praxen bieten leitliniengerechte Diagnostik zu fairen Konditionen an.
Diagnostische Grundlagen: Orientierung an ICD-10/ICD-11
Eine korrekte ADHS-Diagnose basiert auf den Kriterien des ICD. Die Kernsymptome sind:
- Unaufmerksamkeit
- Hyperaktivität
- Impulsivität
Sie müssen seit der Kindheit bestehen, in mehr als einem Lebensbereich auftreten und zu einer klinisch bedeutsamen Beeinträchtigung führen.
Daraus ergibt sich ein zentraler Punkt: ADHS beginnt immer in der Kindheit. Erwachsene können die Störung nicht neu entwickeln – deshalb muss jede Erwachsenendiagnostik die Kindheit einbeziehen.
Symptome von ADHS in der Kindheit
1. Unaufmerksamkeit
Typische Merkmale:
- Flüchtigkeitsfehler, mangelnde Beachtung von Details
- geringe Konzentrationsspanne
- leichte Ablenkbarkeit
- wirkt, als würde es nicht zuhören
- Aufgaben werden selten beendet
- meidet lang andauernde geistige Tätigkeiten
- Schwierigkeiten bei Organisation und Planung
- verliert häufig Dinge
- ausgeprägte Vergesslichkeit
2. Hyperaktivität
- häufiges Zappeln oder Herumrutschen
- steht oft auf, wenn Sitzen erwartet wird
- übermäßiges Herumlaufen oder Klettern
- Schwierigkeiten, ruhig zu spielen
- wirkt „getrieben“, ständig in Bewegung
- redet übermäßig viel
3. Impulsivität
- platzt mit Antworten heraus
- kann schlecht warten
- unterbricht oder stört andere
Symptome im Erwachsenenalter
Während ADHS lebenslang bestehen bleibt, verändert sich die Symptomatik. Hyperaktivität wird oft zu innerer Unruhe, während Probleme der Aufmerksamkeit und Impulsregulation meist bestehen bleiben.
1. Aufmerksamkeitsprobleme
- Schwierigkeiten, Gesprächen zu folgen
- hohe Ablenkbarkeit durch Gedanken oder äußere Reize
- Probleme, Texte oder Arbeitsaufgaben konzentriert zu bearbeiten
- häufiges Verlegen oder Verlieren wichtiger Gegenstände (Schlüssel, Brille)
2. Hyperaktivität
- starke innere Unruhe
- Schwierigkeiten, sich zu entspannen oder längere Zeit zu sitzen
- gereizte Stimmung bei Inaktivität
3. Impulsivität
- Ungeduld
- Unterbrechen in Gesprächen
- impulsive Einkäufe oder Handlungen
- geringe Fähigkeit, Handlungen zu verzögern
4. Affektlabilität
- starke Stimmungsschwankungen
5. Gestörte Affektkontrolle
- fehlende Fähigkeit, Stimmungseinbrüche selbst zu regulieren
- erhöhte Reizbarkeit
- spontane Absagen von Verabredungen
6. Emotionale Überreagibilität
- schnelle Begeisterung für Neues
- ebenso schnelles Erschöpfen dieser Begeisterung
- Überforderung bei Veränderungen oder Unvorhergesehenem
7. Desorganisation
- Schwierigkeiten beim Planen und Ordnen
- chaotische Bearbeitung von Aufgaben, häufige Wechsel
- Projekte werden nicht beendet
- Termine werden vergessen
Die Anamnese – das Herzstück der Diagnostik
Eine umfassende Anamnese ist entscheidend, um Symptome richtig einzuordnen und andere Störungen auszuschließen. Eine gute Diagnostik enthält folgende Bausteine:
1. Kindheit und Jugend
- frühe Verhaltensauffälligkeiten, Konzentrationsprobleme?
- wurde die Person als „schwierig“ oder „zappelig“ beschrieben?
- Hinweise in Kindergarten- oder Grundschulzeit?
2. Familienanamnese
- aktueller Familienstand
- Belastungen in der Herkunftsfamilie (Konflikte, Trennung, Krankheiten)
- Auftreten psychischer Erkrankungen in der Familie
3. Entwicklung in der Kindheit
- Komplikationen in Schwangerschaft oder bei Geburt
- schwere Erkrankungen im frühen Kindesalter
- Entwicklungsverzögerungen
4. Schulzeit
- Schulabschlüsse
- Disziplin- oder Verhaltensprobleme
- hätten Leistungen besser sein können?
- Schwierigkeiten mit Hausaufgaben
- Mobbing, Leistungsdruck oder andere Belastungen
- auffällige Kommentare in Zeugnissen
5. Beruf
- aktuelle berufliche Situation
- abgeschlossene Ausbildungen
- häufige Berufswechsel oder Wunsch umzusteigen
- Probleme am Arbeitsplatz (Organisation, Priorisierung, Kommunikation)
6. Psychiatrische / Psychotherapeutische Vorgeschichte
- frühere Behandlungen, Diagnosen
- Alkohol- oder Drogenkonsum
- psychische Erkrankungen in der Familie
7. Körperliche Erkrankungen
- aktuelle körperliche Erkrankungen
- frühere relevante medizinische Probleme oder Krankenhausaufenthalte
8. Soziale Anamnese
- Beziehungen, Freundschaften, Bindungsverhalten
- Partnerschaftsverläufe
- Temperament (ruhig, impulsiv, ängstlich, reizoffen etc.)
9. Beeinträchtigungen im Alltag
- berufliche Schwierigkeiten
- soziale Probleme
- Konflikte in Partnerschaften
- andere Einschränkungen (z. B. Probleme beim Autofahren)
Differentialdiagnostik: Was muss ausgeschlossen werden?
Da viele Störungen ADHS ähneln, müssen folgende Erkrankungen sorgfältig geprüft werden:
Autismus-Spektrum-Störungen (ASS)
Gemeinschaft: Reizüberflutung, soziale Probleme
Unterschiede: eingeschränkte soziale Pragmatik, repetitive Verhaltensmuster, geringere Impulsivität
Agitierte Depression
Unruhe + Konzentrationsprobleme, aber zusätzlich tiefe Traurigkeit, Antriebslosigkeit, Selbstzweifel
Emotional instabile Persönlichkeitsstörung (Borderline)
Starke emotionale Instabilität, Misstrauen, intensive Beziehungskonflikte (bei ADHS eher Offenheit und Gutgläubigkeit)
Bipolare Störung
Phasenhaft: klare manische/hypomane und depressive Episoden
PTBS / Traumafolgestörungen
Konzentrationsprobleme und Unruhe, aber klarer Bezug zu traumatischen Ereignissen
Diagnosestellung: Klinische Einschätzung im Zentrum
Eine ADHS-Diagnose ist immer eine klinische Diagnose.
Das bedeutet:
- Befragung der Betroffenen
- wenn möglich: Einbezug von Bezugspersonen
- erst bei bestehendem klinischen Verdacht: Fragebögen, Tests, neuropsychologische Verfahren
Die Diagnose wird niemals allein durch Fragebögen gestellt.
Fazit: Gute Diagnostik – gründlich, aber nicht teuer
Eine hochwertige ADHS-Diagnostik umfasst:
- ICD-orientierte Kriterienprüfung
- detaillierte Anamnese
- sorgfältige Differentialdiagnostik
- klinische Untersuchung und ggf. Zusatztests
Diese sorgfältige Vorgehensweise ist wichtig, aber sie rechtfertigt keine überhöhten Preise. Gute Diagnostik kann – und sollte – seriös, umfassend und dennoch bezahlbar sein. Ich habe das richtige Angebot für Sie!
Dr. D'Errico
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
Quellen: modifiziert aus:
- Benkert, O., & Hippius, H. (Hrsg.). (2022). Kompendium der Psychiatrischen Pharmakotherapie (11. Aufl.). Springer.
- Weltgesundheitsorganisation (WHO). (2023). Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, 10. Revision (ICD-10). Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI).
- Berger, M., & Rüther, E. (Hrsg.). (2021). Psychiatrie und Psychotherapie (5. Aufl.). Springer.